Bauern froh über Regen im Mai - Dürresommer 2018 tief eingebrannt

Viel Regen und kühle Temperaturen - das Wetter ist derzeit ideal für die Landwirtschaft. Nach einem deutlich zu trockenen Monat April seien die Bedingungen momentan sehr gut, sagte Marilena Kipp vom Rheinischen Landwirtschaftsverband am Freitag in Bonn. Allerdings habe sich der Dürresommer 2018 tief eingebrannt. «Die Landwirte blicken weiter nervös auf die kommenden Wochen.»


Denn die Böden sind zwar in den oberen Schichten wieder gut durchfeuchtet. Die tieferen Profile sind laut Kipp aber nach wie vor zu trocken. Das mache sich am Niederrhein mit eher sandigen Strukturen noch stärker bemerkbar, als in der Kölner Bucht, wo die Böden lehmig sind. Zwar seien Mais- und Rübensaat angegangen und das Wintergetreide entwickele Ähren, sagte Kipp: «Wir sind aber auf Niederschläge weiter dringend angewiesen.»


Kartoffelbauern hätten bereits vielerorts ihre Bewässerungsanlagen in Stellung gebracht, allerdings bislang kaum benutzt. «Vor zwei Wochen waren wir noch besorgt, weil der April viel zu wenig Regen hatte», sagte Franz Josef Dickopp von der Rheinischen Erzeugergemeinschaft Kartoffeln (Reka) am Freitag in Viersen. Nach Angaben des Wetterdienstes hatte der April in der Fläche geschätzt nur 60 Prozent der Regenmengen des langjährigen Mittels.


Bekomme die Kartoffelpflanze zu wenig Wasser, stoße sie Knollen ab, so Dickopp. Im vorigen Jahr bedeutete das laut Reka zwischen zehn und 50 Prozent weniger Ertrag. «Derzeit leben wir von der Hand in den Mund. Es gibt nur knappe Wasservorräte, der Unterboden ist nicht gesättigt», so Dickopp. Mit den ersten Frühkartoffelblättern, die sich an der Oberfläche zeigen, keimt indes die Zuversicht, dass in der Summe doch noch genug Regen fällt.


Im Mai wurden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bislang 17 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmengen von 73 Litern pro Quadratmeter erreicht. In den nächsten Tagen werde ergiebiger Regen mit bis zu 30 Litern pro Quadratmeter dazu beitragen, das Monatssoll zu erreichen, sagte DWD-Experte Markus Winkler am Freitag. Dazu bleibe es kühl. Nur vereinzelt steigen die Temperaturen im Rheinland auf 15 Grad.


Spargel habe es eigentlich lieber etwas wärmer, dann seien die Erträge höher, erklärte Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern am Freitag. Zugleich benötige die Spargelpflanze den Regen dringend. Lediglich die Ernte sei dadurch mühsamer. Erdbeeren reiften dagegen zurzeit ohnehin nur unter Folientunneln oder in Gewächshäusern. «Erst wenn wir längere Zeit durchgehend 25 Grad und Sonne bekommen, gibt es die ersten Freilanderdbeeren», so der Obstexperte.


Unangenehm ist das feucht-kalte Wetter für den Borkenkäfer. Immerhin: War der Schädling im warm-trockenen April regelrecht «durchgestartet», wie Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz sagte, verlangsame sich seine Vermehrung derzeit. «Ideal für die Fichtenwälder wäre, wenn es noch sehr viel mehr regnete und zugleich weiter kalt bliebe. Dann würden die Käfer verpilzen und absterben.»

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